Die Waldkater-Sage


Es fand im Wald ein Jägersmann
Einen wilden Kater sitzen,
Da legt er seinen Bogen an,
Den Kerl hinweg zu flitzen.
Der hob die Pfoten jämmerlich:
''Ach Jägersmann erbarme Dich
Und lass mich eben!'' rief er,
''Dich irrt mein Bild,
Ich bin kein Wild,
Bin ein verwunschner Küfer.''
''Weil ich im Keller Wein gemischt
Verschnitten und verkandelt,
Für echt verzapft und aufgetischt,
Dafür bin ich verwandelt
Dreihundert Jahr in einem Stück,
Dann kann ich wiederum zurück
Mein Schenkenamt erwerben.
Bald sind sie um,
Ich möchte drum
Nicht gern als Kater sterben.


Viel Ehrtrünk hält ein südrig Fass,
Landwein, Du wirst ja schweigen!
Hollunderblüte macht Dein Nass
zu Muskateller steigen!
So sprach ich einst, nun weiss ich doch,
Die allerschönste Mischung noch,
Will sie zum Dank Dich lehren.
Du aber halt
Jung oder alt
Waldkaters Rat in Ehren!
Im Walde grünt ein Edelkraut,
Ich nenn es nicht mit Namen,
Das musst Du pflücken frisch betaut,
Eh`s Blüten trägt und Samen.
Wie quirle stehn in grader Zahl
Um eck`gen Stiel die Blättlein schmal,
Das musst Du streu`n und stürzen
Ins Kännelein
Den kühlen Wein
Dir wohl damit zu würzen.


Viel holde Kraft in Müssiggang
Ist diesem Kraut verliehen,
Doch nicht zu kurz und nicht zu lang
Darf in dem Wein es ziehen.
An einem Augenblicke hängt,
Wie man im Nest den Vogel fängt,
Des Wonnetranks Gelingen.
Wird der verpasst,
Weh Dir! Du hast
Ein Lied davon zu singen.''
Der Jäger tut die Kräuterei
Zum Wein und spricht mit Sinnen:
''Sind aller guten Dinge drei,
Drei Stunden lass ich`s drinnen.''
Es duftet süss und duftet stark,
Dem Trinker steigt`s in Herz und Mark
Aus seines Humpens Tiefe.
Als er gezecht,
Da dünkt`s ihm recht,
Dass er ein wenig schliefe.


Doch wie er endlich nun erwacht
Im weiten Wald, dem dunkeln,
Sieht er in rabenschwarzer Nacht
Zwei grüne Augen funkeln.
Waldkater sitzt vor ihm und kraut
Den Kopf ihm, bis der Morgen graut
Als wie mit Eisenklammern,
Und`s schallt darein,
Dass sich ein Stein
Erbarmen könnt`, sein Jammern.
Sein Messer zuckt der Waidgesell`:
''Waldkater, bist verloren!
Ich zieh Dir dein Katzenfell
Jetzt über beide Ohren!
Verwunschner Küfer oder nicht,
Du Hexenbrut, Du Bösewicht
Der Du mich arg verlocktest,
Aus Deinem Kraut
Wird Gift gebraut,
Nun friss, was Du mir brocktest!''


Da fängt der Kater an zu schrei`n,
Sie balgen sich und raufen,
Und graulich klingt ins Tal hinein
Das Stöhnen und das Schnaufen,
Waldkater fleht: ''O, laß mich los!
Ich will auch in der Erde Schoß
Ein Häuflein Gold Dir zeigen,
Flammt Nachts empor
Am Bodetor,
Nimm`s hin, es sei Dein eigen.''
Da ward der Waidmann selbst ein Schenk
LieƟ sich ein Wirtshaus bauen
Und auch zum ew`gen Angedenk
In Stein den Kater hauen.
Der Wein, den Euch der Schenke tischt,
Ist nicht gefärbt und nicht gemischt,
Jetzt mit dem Edelkraute
Weiß er bescheid,
Denkt an das Leid,
Wie ihn der Waldkater kraute.